Johann Lebenich

Johann Lebenich

CEO & Foun­der

4 Tages Woche: Mythos, Fiktion oder Realität?

Kaum jemand kommt an der Dis­kus­si­on um die vier Tages Woche her­um. Sei­tens der Mit­ar­bei­ter wird sie vehe­ment gefor­dert. Ist sie aber auch umsetz­bar? Kann ich es ein­fach so ein­füh­ren, oder gibt es Fra­ge­stel­lun­gen, die näher ange­se­hen wer­den müs­sen? Was bringt eine Arbeits­zeit­re­duk­ti­on über­haupt?

Machen wir ein­fach eine 4 Tages-Woche

Es ist leicht gesagt: „Arbei­ten wir nur mehr 4 Tage in der Woche.“

Sieht man sich die Rah­men­be­din­gun­gen jedoch etwas näher und im Detail an, erkennt man gleich, dass es eine Rei­he von Fra­ge­stel­lun­gen dazu gibt. Aber was ist eine 4 Tages-Woche über­haupt?

Eine Vier-Tage-Woche liegt vor, wenn die gesam­te Wochen­ar­beits­zeit regel­mä­ßig auf vier Tage ver­teilt wird. Soweit zur Defi­ni­ti­on. 

Um sie wirk­lich im Unter­neh­men ein­zu­füh­ren, müs­sen alle Rah­men­be­din­gun­gen genau unter die Lupe genom­men wer­den.

Das beginnt bei der Ein­schrän­kung maxi­mal 10 Stun­den pro Tag zu arbei­ten. Die Situa­ti­on ab wann es Über­stun­den gibt, ist eben­falls regle­men­tiert. So sind die­se bei­spiels­wei­se dann zu bezah­len, wenn an einem der 3 frei­en Tage doch gear­bei­tet wird. 

In Betrie­ben mit einem Betriebs­rat bedarf es einer Betriebs­ver­ein­ba­rung, ohne Betriebs­rat musst du eine Ein­zel­ver­ein­ba­rung abschlie­ßen.

Wie sieht das Umfeld im Unter­neh­men aus. Gibt es Kun­den, die sich eine Ser­vicie­rung an einem frei­en Tag wün­schen? Wel­cher orga­ni­sa­to­ri­sche Auf­wand wird dadurch not­wen­dig? Funk­tio­niert eine Umstel­lung sofort, oder nach einer Umstel­lungs­pha­se?

Du siehst, dass eine Umstel­lung auf eine 4 Tages-Woche auf­grund der Rah­men­be­din­gun­gen eini­ges an Auf­wand bedeu­tet.

Frau denkt über 4 Tage Woche nach

Wie soll das aus­se­hen?

Der aktu­el­le Trend – und die For­de­run­gen der Arbeit­neh­mer – gehen in die Rich­tung, dass nur 4 Tage gear­bei­tet wird, jedoch 5 Tage bezahlt wer­den. Da wird jedem Unter­neh­mer klar, dass das zusätz­li­che Per­so­nal­kos­ten bedeu­tet.

In Island gab es laut einer Stu­die in Auf­trag der Regie­rung einen groß­ar­ti­gen Erfolg. Zumin­dest laut Stu­di­en­lei­tung. Den Teil­neh­mern geht es angeb­lich bes­ser, sie haben mehr Zeit, füh­len sich glück­li­cher und lei­den weni­ger an Stress.

Für mich ist das Ergeb­nis nicht über­ra­schend. Ich wür­de es genau so vor­aus­sa­gen, wenn ich das Ergeb­nis nicht ken­nen wür­de. Glei­cher Gehalt, weni­ger arbei­ten und 3 Tage frei. Wel­ches ande­re Ergeb­nis soll denn da raus­kom­men?

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist: „Wel­cher Unter­neh­mer kann, und will sich das leis­ten“.

Aus mei­ner Sicht muss das The­ma auch aus einem ande­ren Blick­punkt beleuch­tet wer­den. Näm­lich, ob es wirk­lich DIE Lösung ist.

Kommt die­ser Trend nicht vor allem aus der Betrach­tung, dass wir immer noch die Arbeits­zeit als ent­schei­den­des Kri­te­ri­um für Leis­tung sehen?

Klei­ne Mee­ting­räu­me, ver­steck­te Ecken in einem Hotel oder der Schat­ten eines Bau­mes kön­nen Abhil­fe schaf­fen, um unge­stört zu arbei­ten.

Spiel­re­geln mit der Fami­lie wur­den aus­ge­spro­chen. Wann ver­bringt man Zeit mit­ein­an­der, wann wird gear­bei­tet, wo trifft man sich, was machen die Kin­der, wäh­rend der Unter­neh­mer arbei­tet, sind nur eini­ge The­men, die geklärt wer­den müs­sen.

Wird jeden Tag gear­bei­tet, gibt es Kern­zei­ten, wo wird wel­ches The­ma erle­digt sind eben­falls zu über­le­gen, bevor man sich auf den Weg macht. Denn wahr­schein­lich wird es ande­re Per­so­nen, die auf der Lie­ge im Ruhe­be­reich des Hotels wenig freu­en, wenn man laut­stark mit Mit­ar­bei­tern tele­fo­niert. Bear­bei­tet man aber ein Kon­zept, das man am iPAD hat, wird es nie­mand mit­be­kom­men.

Unbe­dingt geprüft wer­den muss, ob und in wel­cher Form der IT- und Arbeits­be­reich abge­si­chert wird, wenn man den Lap­top glü­hen lässt. Hier gibt es Anfor­de­run­gen an die unter­neh­mens­ge­bun­de­ne Sicher­heit, aber auch an die Aus­stat­tung vor Ort.

Wel­che Argu­men­te für die 4 Tages-Woche gibt es?

Ich möch­te auf 4 Punk­te ein­ge­hen, die ich immer wie­der bei der Argu­men­ta­ti­on für die 4 Tages Woche höre. Ich wer­de aber auch bei jedem Punkt eine mög­li­che ande­re Sicht­wei­se ein­brin­gen.

Die 4 Tages­wo­che macht uns gesün­der

Pro: Lan­ge Arbeits­zei­ten füh­ren zu gesund­heit­li­chen Beschwer­den, Erschöp­fung und Schlaf­stö­run­gen. Mehr Frei­zeit bedeu­tet mehr Erho­lung. Die kur­ze Arbeits­wo­che bekämpft den Stress und Burn­outs kön­nen ver­mie­den wer­den.

Kon­tra: Wie vie­le Tage sind rich­tig? Irgend­wann hat­ten wir auch 6 Tages-Wochen. Mitt­ler­wei­le in vie­len Beru­fen 5 Tage. Und wann kommt der Zeit­punkt, bis wir die 4 Tages-Woche eben­so ver­dam­men wie die im Moment gül­ti­ge 5 Tages-Woche. Mit den glei­chen Argu­men­ten.

Es gibt mehr Zeit für Fami­lie und Freun­de

Pro: Damit steigt die Lebens­qua­li­tät und es bleibt mehr Zeit über. Für unse­re Kin­der und sozia­le Kon­tak­te ist es ein Gewinn. Kür­ze­re Arbeits­wo­chen füh­ren zu mehr Enga­ge­ment und grö­ße­rer Zufrie­den­heit.

Kon­tra: Wie lan­ge hält die­ses Enga­ge­ment an. Irgend­wann ist es zur Gewohn­heit gewor­den und der Bonus von mehr frei­en Tagen ist auf­ge­braucht. Zufrie­den­heit hat ganz ande­re Ein­fluss­fak­to­ren, als nur weni­ger Arbeits­zeit. Wenn das rest­li­che Umfeld im Unter­neh­men nicht passt, hilft es nicht weni­ger Zeit dort zu ver­brin­gen.

Die 4 Tages­wo­che ist gut für unse­re Umwelt

Pro: Weni­ger häu­fig fah­ren Arbeit­neh­mer ins Unter­neh­men. Dadurch wird die Umwelt weni­ger belas­tet.

Kon­tra: Durch Home-Office Reg­lun­gen stimmt die Rech­nung „statt 5 Tage im Auto nur mehr 4 Tage im Auto“ nicht mehr. Nur der Kli­ma­ge­dan­ke ist kein wirk­li­ches Argu­ment für eine 4 Tages-Woche.

Die 4 Tages­wo­che scha­det den Unter­neh­mern nicht

Pro: Es gibt Bei­spie­le von Unter­neh­men, die die redu­zier­te Arbeits­wo­che bereits umge­setzt haben und dadurch mehr Ertrag erwirt­schaf­ten. 

Kon­tra: Die Pau­schal­be­trach­tung und die ange­führ­ten Bei­spie­le stim­men nicht immer mit der Rea­li­tät zusam­men. Mitt­ler­wei­le gibt es so vie­le indi­vi­du­el­le Arbeits­zeit­mo­del­le, die nicht mit einer 4 Tages-Woche gelöst wer­den kön­nen.

Aus allen „Ecken“ wird das The­ma immer wie­der the­ma­ti­siert. Es gibt natür­lich Bei­spie­le (die ich gut fin­de), wo die­ser Trend bereits umge­setzt wur­de.

Aller­dings sehe ich in den Grün­den, war­um das The­ma immer wie­der dis­ku­tiert wird, in den alten Denk­wei­sen von Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern. „Es war doch immer schon so, dass die Arbeits­zeit gemes­sen wur­de.“ Ein abso­lu­tes Kil­ler­ar­gu­ment.

Den­ken wir doch die The­men Pro­duk­ti­vi­tät, Out­put, Enga­ge­ment, Moti­va­ti­on und Arbeit völ­lig neu. Lösen wir uns von ein­ge­fah­re­nen Bah­nen und suchen nach bes­se­ren Lösun­gen.

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